Zoo-Kunft 2002 in Leipzig

Masterplan im Zoo am Meer in Bremerhaven BHlogo.jpg - 7426 Bytes
Dr. Heike Kück

 

 

Zoo am Meer Bremerhaven GmbH

H.-H.-Meierstr. 5

27568 Bremerhaven

Tel.: 0471-42071

Fax: 0471-42072

E-mail: kueck@zoo-am-meer-bremerhaven.de

Internet: www.zoo-am-meer-bremerhaven.de

Seit der Gründung des Zoos am Meer vor 74 Jahren ist der Zoo immer wieder umgebaut worden, um den Erfordernissen und Erkenntnissen der jeweiligen Zeit zu entsprechen. Der jetzt unumgängliche Neubau wird von der Städtischen Grundstücksgesellschaft Bremerhaven mbH in einem Fünfzig-Millionen-Mark Projekt realisiert, finanziert von der Stadt Bremerhaven, dem Land Bremen und der Europäischen Union.

Überschreitung der Gehege-Mindestgrößen nach deutschen und EU-Normen, artgerechten Haltung mit vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten in naturnahen Biotopanlagen für die Tiere, Landschaftseindrücke für die Besucher, Funktionalität für die Tierpfleger waren die Forderungen an die Zooplaner. Diese Aufgabenstellung löste das Architekten-Team Herwig, Jaenisch und Wittig aus Hannover, die bereits den Zoo in Hannover umgebaut haben. Der Zoo am Meer in Bremerhaven ist direkt an der Wesermündung gelegen, die aber von Besuchern schon als "Meer" wahrgenommen wird. Da er noch vor dem Schutzdeich gebaut wurde, verhindert eine gesonderte Hochwasserschutzmauer die Überflutung bei Hochwasser. Durch die Veränderung der Position dieser Schutzmauer weiter zum Wasser hin, konnte die Zoofläche um 40% auf 8600 qm erweitert werden, aber eine weitere Vergrößerung war aufgrund der Lage nicht mehr möglich. Gerade aber diese exponierte Lage, direkt am "Meer", macht diesen flächenmäßig kleinen Zoo im Norden Deutschlands interessant und eine Spezialisierung hinsichtlich nordischer und wasserbezogener Tiere sinnvoll und notwendig.

Der Raum innerhalb dieser vorgegebenen Fläche musste optimal genutzt werden und es konnte mehr Platz dadurch gewonnen werden, dass in zwei Ebenen gebaut wird. Die Landflächen der Eisbären- und Robbenanlagen sowie die Außen- und Innenanlagen der Schimpansen liegen quasi als Dachgarten oberhalb der Nachtställe, Futterküchen und Technikräume.

Diese Flächenvergrößerung ist aber nicht gleichbedeutend mit der Erweiterung der gezeigten Artenzahl. Die gewollte deutliche Überschreitung der Gehegegrößen entsprechend der Mindesthaltungs-Richtlinien erforderte sogar eine weitere Reduzierung zugunsten der im Zoo verbleibenden Arten und eine Spezialisierung zum nordischen und wasserbezogenen Themenzoo mit Eisbären, Mähnenrobben, Seebären, Seehunden, Polarfüchsen und Schnee-Eulen, Meeresenten, Humboldt-Pinguinen, Pumas und natürlich den Basstölpeln, deren Nachzucht erstmalig in Bremerhaven gelang. Tropische Ausnahmen bilden zwei Affenarten, Schimpansen und Weißgesichtseidenäffchen; Schimpansen, da die Haltung im Zoo in Bremerhaven eine lange Tradition hat und die bestehende Gruppe auch kaum hätte vermittelt werden können, Weißgesichtseidenäffchen als kleiner "Neuweltaffenpendant" und Möglichkeit der Mitarbeit im EEP.

Die Besucher des neuen Zoos am Meer bekommen durch die Gestaltung der Gehege einen Eindruck vom Lebensraum der gezeigten Tiere, Eiswüsten, farbige Tundren-Landschaften eingerahmt von Wasser, Wasser und nochmals Wasser.

Insgesamt werden dann 3,5 Millionen Liter Salzwasser in drei Kreisläufen (Robben, Eisbären, Pinguine) über Eiweißabschäumer und Sandfilter mit Unterstützung einer Ozon- und UV-Anlage geklärt mit dem Ziel, je nach Wasserqualität das Wasser maximal nur einmal jährlich wechseln zu müssen.

Gehegebegrenzungen aus Gitter werden so weit wie möglich vermieden. Natürlich gestaltete Absperrungselemente, Glas, nicht sichtbare Harfenabspannungen und Durchblicke zum "Meer" vermitteln die unendliche Weite der dargestellten Landschaften. Große Unterwasserscheiben bei den Eisbären, Pinguinen, Mähnenrobben, Seebären und Seehunden lassen den Besucher noch weiter eindringen in die Welt der gezeigten Tiere. Großzügige, biotopartig gestaltete Anlagen geben einen Eindruck von der natürlichen Lebensweise und dem Lebensraum der gezeigten Tiere in ihrer Funktion als Botschafter und machen empfänglich für die Naturschutzbotschaft. Schwerpunktthema wird auch hierbei die nordische Region mit ihren vielfältigen Problemen darstellen. Im neuen Zoo wird dann auch eine Zooschule den wichtigen und geforderten Auftrag der Information und Aufklärung wahrnehmen.

Der ganze Umbau erfolgt unter einem enormen Zeitdruck und erfordert ein hohes Maß an logistischer Präzision. Tiere des abgerissenen Tropenhauses sowie Tiere, die im neuen Zoo nicht mehr vertreten sein werden, konnten bereits weitervermittelt werden.

Während des Umbaus wurden nur die Basstölpel und Keas übergangsweise an andere Institutionen abgegeben. Alle anderen Tiere verblieben im Zoo, da es kaum Unterbringungsmöglichkeiten für größere Robbengruppen, Eisbären oder Schimpansen in anderen Zoos gegeben hätte. Für diese Tiere werden zz. im Rahmen des ersten Bauabschnittes auf dem Erweiterungsgelände die Anlagen fertiggestellt. Robben und Eisbären bleiben bis zur Fertigstellung in ihren alten Anlagen, die Schimpansen bewohnen zur Zeit ein Übergangsquartier bestehend aus einem umgebauten Kühlcontainer und der verkleinerten alten Außenlage. Befürchtungen, dass die Enge der Behausung innerhalb der Gruppe zu Stressreaktionen führen würde, haben sich nicht bewahrheitet.

Das Gegenteil ist der Fall; die Schimpansen nimmt regen Anteil an den Baumaßnahmen und die Kommunikation mit den neu benachbarten Japanmakaken bereichern den Tagesablauf.

Eisbären, Robben und Schimpansen werden ab April 2002 ihre neuen Anlagen beziehen; deren Gehege werden dann im nächsten Bauabschnitt abgerissen. Insgesamt wird, in drei Bauabschnitten unterteilt, der komplette Zoo abgerissen und bis zum Sommer 2003 völlig neugebaut. Rückschläge bezüglich des Zeitplans gibt es natürlich auch auf einer Zoobaustelle. Da auf dieser engen Großbaustelle nur mit Kränen Lasten bewegt werden können, legten die vielen Sturmtage an der Küste das Projekt immer wieder lahm und der ungewöhnlich viele Regen nahm den "wasserbezogenen Zoo" vorweg.

Es war ursprünglich angedacht gewesen, den Zoo während der gesamten Bauzeit geöffnet zu lassen. Der notwendige Einsatz der vielen Baukräne und die damit verbundene nicht zulässige Beförderung schwebender Lasten über den Besuchern sowie weitere kostenintensive Schutzmaßnahmen für die Besucher ließen aber der Geschäftsführung der Zoo am Meer GmbH keine andere Möglichkeit, den Zoo ab dem 1.1.2002 bis zur Beendigung der Baumaßnahme im Sommer 2003 für Besucher zu schließen.

Ein Zoo ohne Besucher, auch eine neue Erfahrung für Zootiere und Pfleger; es fehlt etwas.

Der neue Zoo am Meer in Bremerhaven

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Übersichtsskizze des neuen Zoos am Meer

Direkt hinter dem Eingang betritt der Besucher die tropische Welt der Schimpansen mit Innen- und Außenanlage; danach erfolgt ein thematischer Schnitt, indem der Besucher durch eine Grotte geführt wird und den nordischen und wasserbezogenen Zoo betritt. Die Wegeführung erlaubt sowohl durch Glasscheiben Einblicke auf einer Ebene der Tiere als auch erhöht, Blicke über die Landschaft. Vorbei an Eisbären, Polarfüchsen und Schnee-Eulen, Seelöwen, Seehunden, Seebären zu den Pinguinen, bei denen man durch Panorama-Scheiben die Tiere gleichzeitig sowohl über als auch unter Wasser sehen kann. Nächste Stationen sind die Pumas und Basstölpel, die sich zum Fischfang von einem Felsen ins Wasser stürzen können.

Die Wegeführung entlang an einem kleinen Teich-Fluss-System mit Meeresenten, erlaubt dann auf einer unteren Ebene in einem Grottensystem die Unterwassereinblicke bei den Pinguinen, den drei Robbenarten und Eisbären. Vorbei an den Waschbären, Marderhunden, Keas und Weißgesichtseidenäffchen geht es dem Ausgang entgegen, am Restaurant und Zooshop vorbei. Kleine parallele Wegeführung erlauben Kindern mit interaktiver Beschilderung und Betätigungsmöglichkeiten auf Entdeckungstour zu gehen.