"Alternative Ünterbringung von Braunbären in Worbis"

Rüdiger Schmiedel

Koordinator Tierschutz

Deutsches Tierhilfswerk e.V.

 

Guten Tag sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Tierinteressenten, Tierfreunde und auch Tierschützer!

Zunächst möchte ich mich bei dem Präsidium von Quantum Conservation e.V. bedanken, daß Sie uns als Tierschutzorganisation in Ihrer Runde Akzeptanz zur Darstellung unserer Arbeit einräumen.

Wir erinnern uns noch genau, wie im vergangenen Jahr Herr Dr. Schürer aus Wüppertal seinen Vortrag begann, indem er aufrief, daß sich Tierschützer melden sollen, soweit sie im Saale seien. Aber ohne den Betroffenen die Chance zu geben, sich zu melden, antwortete er. "ach ja wir kennen ihn alle, er hat ja auch seinen Hund dabei". Ein Volltraffer des Herrn Dr. Schürer, der in diesem Falle einer Person galt, aber sicherlich nicht den Begriff "Tierschützer" definieren sollte.

Wenn wir uns Gedanken über die Definationen von solchen Substantiven wie "Politiker", "Beamte", "Bürokraten", "Manager", "Direktoren", "Kuratoren", "Neurotiker", "Exhibitionisten", "Prostituierte", "Tierfreund", oder auch, "Tierschützer" machen, so kann jede von uns in dieser Runde, diese mit einer "bekannten" Person untersetzen.

Wir möchten nicht versäumen, uns als Tierschützer vom Deutschen Tierhilfswerk als kontaktfreudige, kritische, lernfähige und trotzdem zielstrebige junge Menschen zu bezeichnen, mit Respekt und Anerkennung vor denjenigen, die sich für den Tier-, Natur- und Artenschutz einsetzen und wirksame Veränderungen praktisch belegen können.

Daß auch wir Tierschützer keine vollkommene fehlerfreien Menschen sind, leugnen wir nicht. Doch auf sachliche Fragen und Kritiken erwarten wir genauso sachliche Antworten und Belege. Wir sympathisieren nicht mit der Art von Tierschützern, die es fertig bringen, sich nackt vor ein Gorillagehege zu ketten, um auf die sogenannte "Einzelhaft" eines Silberrückens aufmerksam zu machen, dem letztendlich zuzätzlich ein Leiden zugefügt wurde, weil er sich bei diesem Antlitz auch noch eine Augenentzündung zugezogen hatte. Dem gegenüber finden wir es völlig legitim, daß sich eine Tierschutzorganisation ohne Nennung des Namens darüber erkundigen darf, ob es Zoos gibt, die ihre Tiere für Partygags einsetzen, oder bei der Vermittlung sogenannter "Tieragenturen" behilflich sind, um die Tiere für die Belustigung verschwendungssüchtiger Partygastgeber zu mißbrauchen.

Drei Standorte in Deutschland wurden befragt: Hamburg, Berlin und München. Die anderen waren behilflich, um eine Agentur zu vermitteln. Der Zoo Berlin lehnte derartige Geschäfte ab. Eine Notwendigkeit hierfür sehen wir leider nicht. Wir können uns kaum vorstellen, daß diese Zoos hierfür Provisionen erhalten.

Mit dieser kurzen Einführung möchten wir Ihnen darstellen, daß unter dem Slogan "Wir tun was" auch eigenständige Recherchen und Aktivitäten entwickelt werden, die im Interesse der Tiere, des Natur- und des Artenschutzes Veränderungen, bzw. Verbesserungen bewirken.

Wir sind eine Tierschutzorganisation, die seit 11 Jahren durch den zielgerechten Einsatz von Werbung wirksame Aufklärungs- und Unterstützungsarbeit seiner Partner mit nunmehr 300.000 Einzelmitgliedern kontinuierlich sicherstellen kann. Seit dem Bestehen des Vereines sind rund 60 Millionen Mark für die Unterstützung von Tierschutzeinrichtungen, Forschungsstationen und Naturschutzprojekten eingesetzt worden. Beispiele dafür sind einige nachfolgende Kooperationspartner und Kampagnen:

Die Seehund- und Aufzuchtsstation in Norden-Norddeich, das Informationszentrum in Wildeck-Obersuhl mit einem umfangreichen Flächenankauf im Interesse des Naturschutzes, die Unterstützung des Elbe-Projektes, die Unterschutzstellung des Grasimir-Waldes in Krefeld, gemeinsam mit dem Naturschutzbund, die Beteiligung an der Realisierung des Artenschutzprojektes der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz München, worüber der Kollege Roland Männel noch referieren wird. Der Einrichtung von Bärenrefugien in der Türkei durch die Aktion "Liberty" bei der Beschlagnahmung von Tanzbären aus Istanbul, der Ankauf und Schutz von Regenwald in Costa Rica und viele andere Projekte, die hier den Rahmen sprengen würden.

Im Rahmen unserer Kampagnenarbeit "Nein zur Zucht von Wegwerfbären" arbeiten wir gemeinsam mit der Aktionsgemeinschaft "Pro-Fauna" seit Jahren gegen eine unkontrollierte Zucht von Braunbären in Deutschland. Da die Unterbringung und der Handel in Europa mit dieser Tierart teilweise in kriminelle Machenschaften endet, gehen wir diesen auf den Grund. Skrupellose Tierhalter scheuen sich neuerdings nicht davor, Braunbären, wie es bisher nur in unserer Wegwerfgesellschaft mit Hunden und Katzen üblich war nunmehr auch in bewaldeten Gebieten auszusetzen.

Das zeigt das Beispiel von "Laura" und "Goliath", so wurden sie dann getauft, als sie am 9. September 1996 im Harz von einem Jäger entdeckt wurden. Mit welcher Ohnmacht wir einer solchen Situation gegenüberstehen, zeigt, daß weder ein Zoo, noch ein Tiergarten in der Lage war, die Bären aufzunehmen. Dank der Bereitwilligkeit des Schaustellers, Herrn Kraml, konnten sie zeitweilig in Alfeld aufgenommen werden. Abgesehen von der absurden Idee, beide Tiere auswildern zu wollen, war er ja dennoch der einzige, der im Umkreis die Möglichkeit hatte, diese beiden vorläufig zu versorgen. Eine Absprache mit dem niedersächsischen Landesamt für Ökologie, denen wir an dieser Stelle für die Zusammenarbeit nochmals danken möchten, hat unser Verein "Aktion Bärenhilfswerk" mit Sitz in Worbis die Bereitschaft bekundet, die Tiere vorläufig unterzubringen und entsprechend veterinärmedizinisch zu versorgen. Für die enge Zusammenarbeit mit dem Bärenpark in Rhenen und dem Präsident der dort ansässigen "International Bear Foundation", Gerard Baars, haben wir in Form der Videodarstellung kurz demonstrieren.

Wir gehen davon aus, daß wir mit dieser Einrichtung nicht in Konkurrenz von Zoos und Tiergärten einsteigen wollen, sondern zu der Problematik, alternativer Unterbringung von Bären, Anregungen vermitteln wollen und große interessierte Kreise zum Umgang mit dieser Tierart sensibilisieren wollen. Der alternative Bärenpark soll eine Anregung zur Veränderung hundertfach vorhandener Bärenzwinger darstellen. Neben der Funktion der Kritiker bieten wir uns an, bei der Veränderung oder Neueinrichtung von Bärenanlagen Erfahrungen zu vermitteln, nehmen aber auch gern neueste Erkenntnisse auf. Ein eigenständiges Informationszentrum soll die Möglichkeit schaffen, Hintergründe und Lösungen der Bärenproblematik aufzuzeigen.

Wir würden uns freuen, wenn auch aus diesem Kreis Anregungen und Hilfeleistungen kämen. Schließlich sollten wir doch alle ein gemeinsames Ziel und gemeinsame Verantwortung für die Tiere haben.

 

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