Roland Männel

Artenschutz - Gedanken zu Möglichkeiten und Alternativen vor Ort am Beispiel des EPRC

 

Der Umbau der Zoos für das 21. Jahrhundert steht als Thema der diesjährigen Tagung. Über eine Möglichkeit will ich Ihnen hier berichten und versuchen, Zusammenhänge aufzuzeigen.

Von Wolfgang Peter wurde an dieser Stelle im Vorjahr über Artenschutz in Vietnam - "Die Politik der kleinen Schritte" - referiert. Die Gründung eines Projektes im Norden Vietnams, im Cuc Phuong National Park fand dabei Erwähnung. Dort will ich nun anknüpfen.

Seit 1993 existiert dieses Projekt zum Schutz der bedrohten Affen Vietnams. Es basiert auf den Bemühungen verschiedener Personen und Organisationen. Initiiert durch den zoologischen Direktor des Allwetterzoos Münster, Herrn Jörg Adler, und die Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) sowie unterstützt durch unterschiedliche Zoos in Amerika, Australien, Singapur und Deutschland und die FZS konnte begonnen werden, eine Station zum Schutz bedrohter Affen - das Endangered Primate Rescue Center - aufzubauen. Natürlich ist die Tätigkeit vor Ort durch Tilo Nadler, der im Auftrag der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft als Projektleiter für die FZS, Naturschutzmanagement betreibt, mit den Aufgaben der deutschen Tierpfleger/innen, die sich mit praktischer Tierpflege befassen und vietnamesische Pfleger unterrichten, eng verflochten. Dies einfach deshalb, weil z. B. zu Tilo Nadlers Wirken im Cuc Phuong das Abhalten von Schulungsveranstaltungen gehört. Dabei wird unter anderem Artenkenntnis, Naturschutzrecht und dessen Anwendung an die Park-Ranger vermittelt. Als Folge dessen sind die Ranger mehr sensibilisiert und motiviert als vorher, und Informationen über illegalen Tierhandel, in dessen Folge es auch zu Beschlagnahme von Tieren kommt, bringen der Station weiteren Zuwachs. Durch die Unterstützung der ZGAP und des Leipziger Zoos in dem wir, Manuela Klöden und ich als Tierpfleger tätig sind, und mit Finanzierung durch den Allwetterzoo Münster und das DTHW war und ist es uns möglich, abwechselnd im EPRC tätig zu sein und ich möchte nun über die Veränderungen von damals bis heute berichten.

Manuela Klöden begann bereits im Sommer 1993 mit ihrer ersten Tätigkeit im Cuc Phuong Nationalpark und blieb bis 1995 dort. Die damalige, provisorische Station erforderte immer wieder Improvisationstalent. In den zwei Jahren hat sie nur einmal für 5 Wochen einen Urlaub in Deutschland verbracht und während dieser Zeit, im Frühjahr ‘94, wurde Manuela von M. Mehner und mir vertreten. Das war mein erster direkter Kontakt mit Cuc Phuong. Dem folgte dann vom Juni ‘95 bis August ‘96 ein weiterer Arbeitsaufenthalt. Auch dieses mal wieder durch ZGAP und den Zoo ermöglicht und unterstützt. Wir, Manuela und ich, tauschten sozusagen Wohnung und Arbeitsplatz.

 

Zu Beginn meiner Tätigkeit im Nationalpark von Cuc Phuong war das heutige Endangered Primate Rescue Center in seinen Anfängen noch klein und bestand aus einem halbfertigen Haus und zwei Großkäfigen. Die Eröffnung fand einen Monat zuvor, im Mai, statt. Die Erweiterung ist inzwischen vorangeschritten. Dieser kontinuierliche Aufbau basiert auf der Zusammenarbeit von Zoos und Naturschutzorganisationen und ist meiner Meinung nach ein gutes Beispiel für den zukünftig zu beschreitenden Weg. Zum einen die Bereitschaft der Zoos, solche "vor-Ort Projekte" mit Geldmitteln und Personal zu unterstützen und ebenfalls, wie auch die beteiligten Organisationen, die wissenschaftliche Betreuung durchzuführen. Wenn sich solchem Beispiel in der Zukunft weitere Zoos öffnen könnten, wäre es um viele, jetzt noch in Schubladen befindliche oder nur als kleine Projekte ohne gesicherten Fortbestand besser bestellt. Gerade in den asiatischen Ländern läßt sich mit für hiesige Verhältnisse wenig Geld viel bewegen. Und den Ländern dort stärkt keine so große Lobby den Rücken wie es hierzulande durch große Organisationen wie NABU oder WWF geschieht. So bestehen oder scheitern alle Bemühungen wieder einmal an Geld. Wege für die Möglichkeit, Spendengelder zu bekommen gibt es in kleinerem Rahmen durch Vorträge und Ausstellungen mit begleitenden Informationen aber auch gut organisierte Aktionen wie sie seit Bestehen des Cuc Phuong Projektes z. B. im Allwetter Zoo Münster durchgeführt werden. Diese Bemühungen schaffen eine der Säulen, die ein Fortbestehen des EPRC auch weiter sichern. Ich würde mir wünschen, daß andere Projekte ähnlich engagierte Helfer hätten z. B. der Einsatz von Tierpflegern, ähnlich dem Cuc Phuong Projekt, wäre denkbar und würde eine Schulung von Einheimischen vor Ort effektiver gestalten als sie nach Übersee zu senden. Auch unter dem Gesichtspunkt, daß vieles, was in Deutschland möglich ist, sich vor Ort nicht nutzen läßt oder auch nicht nötig ist, wie z. B. Winterhaltung. Wobei man den anderen Weg nicht generell verneinen sollte.

 

Notwendig ist es, die Leute im In- und Ausland, d. h. also die Besucher hier in den zoologischen Gärten, als auch die Besucher im EPRC in Vietnam, zu informieren. Dabei wird das Verständnis für das Projekt und dessen Unterstützung durch Spenden ebenso gefördert.

 

Viele Vietnamesen haben sich mit der Thematik des Artenschutzes so direkt nicht konfrontiert gesehen. So kamen während meiner Arbeit immer öfter auch Leute aus den umliegenden Dörfern zu uns. Viele sahen erstmals diese Affen. Inzwischen gab es auch mehrfach Fernsehberichte im In- und Ausland. Auch hier in Deutschland gibt es viele Aktivitäten und einige Fernsehberichte schildern die Entwicklung. Besucher von zoologischen Einrichtungen sind bei entsprechender Hintergrundinformation durchaus interessiert, solche Projekte zu unterstützen. dies zeigte sich auch in Leipzig, als wir bei Abendführungen und anderen Spezialveranstaltungen für Cuc Phuong geworben haben. Im EPRC hat auch die Ausbildung der vietnamesischen Helfer deutliche Fortschritte gemacht und entwickelt zeitweilig eine positive Eigendynamik.

 

So war bei allen die Begeisterung wirklich riesig, als der erste Hatinhlangur im Februar 1996 geboren wurde und im April der zweite der gleichen Art. Beide Mütter versorgen ihre Kinder vorbildlich.

 

Die Delacourlanguren, um die sich das Projekt aufbaute und die auch in einer Gruppe in dem Center leben, haben die Bemühungen um ihren Erhalt im Juli 1996 mit dem ersten Baby belohnt. Bei einer Gruppenstärke von 3 Männchen und einem Weibchen ist es um so erfreulicher ein weibliches Jungtier zu haben.

 

Es leben heute ca. 35 Affen im EPRC mit einer Gruppe Delacourlanguren, zwei Gruppen Hantinhlanguren, 8 Gibbons, 1 Rotfüßigen Kleideraffen, 3 Grauen Kleideraffen, 1 Phareylanguren, 1 Laoslanguren und Plumploris sowie Zwergloris - durchweg beschlagnahmte Tiere von unterschiedlichsten Orten und Landesteilen.

 

Für dieses Jahr sind der dringend benötigte Bau einer Quarantäne ebenso vorgesehen, wie die Umzäunung eines 2 ha großen Berges, der an das Gelände des Centers angrenzt. Auf ihm sollen Delacourlanguren halbfrei leben und auf die spätere Rückführung in ehemalige Lebensräume vorbereitet werden. Das setzt voraus, daß noch weitere Schutzgebiete entstehen und auch in den Köpfen der Leute die Richtigkeit solcher Vorhaben klar ist.

Die Probleme des illegalen Tierhandels und Holzeinschlages bestehen in Vietnam weiter und Cuc Phuong ist nur ein winziger Teil. Im Umfeld des Nationalparks ist eine Besserung zu erkennen. Sie geht sogar so weit, daß ehemalige Wilderer zu Informanten wurden und bei Bestandskontrollen helfen.

 

So ist die Rettung der Delacourlanguren und anderer Arten durch die Schaffung einer Population als Genreserve in Gehegen vor Ort ein möglicher Schritt bei der Umgestaltung der Zoos in einer Zusammenarbeit, die über viele Ländergrenzen reicht. An dieser Stelle möchte ich Dank sagen an alle, die an der Entwicklung im Cuc Phuong Nationalpark beteiligt waren und es weiterhin sein werden. Den vielen Organisationen, Zoos und Privatleuten ebenso wie dem Direktor des Cuc Phuong Nationalparks Dr. Nguyen Ba Thu. Er steht dem Naturschutzbemühen sehr aufgeschlossen gegenüber und unterstützt das Vorhaben mit allen vorhandenen Möglichkeiten. In der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen, zur weiteren Unterstützung des Projektes, grüße ich ihn und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.