Kurzfassung Vortrag „Zooarchitektur"

„Bauen im Zoo" ist Voraussetzung für jede Zoo-Tierhaltung, denn Tiere benötigen dort Gehege. Diese müssen artgerecht gestaltet werden. In der Vergangenheit wurde hier viel gesündigt. Dies hatte u.a. die Vorurteile der Zoo-Gegner zur Abschaffung der Zoos zur Folge. In den meisten Zoos wurde diese Vergangenheit jedoch inzwischen überwunden. Dabei ist festzuhalten, daß keine Naturschutzorganisation so viele Menschen erreicht wie der Zoo.

Trotzdem kann man natürlich fragen, ob genug getan wurde, den Besucher die faszinierende Nähe zum Tier erleben zu lassen, das Tier als „Werbemittel" für den Erhalt seiner Lebensräume darzustellen. Was kann die Zooarchitektur hierzu leisten, gemäß dem Tagungsthema „Umbau" - „Bau"?

Je mehr sich heute die Umwelt von der Natur abkehrt, muß „umgebaut", „umgedacht" werden zur Sensibilisierung der Zoo-Besucher, hin zu einer positiven Richtung der Haltung von Wildtieren in Menschenobhut. Der Zoo muß den sog. Vergnügungsparks etwas entgegenzusetzen haben und der Verkleinerung der natürlichen Lebensräume Rechnung tragen.

Zur Historie der Baukunst sei u.a. die „Menagerie" des 18./19. Jahrhunderts in Wien erwähnt. Demgemäß wurde das Tier in eine Kulisse aus Prachtbauten gestellt. Diese Tendenz der Baukunst in Zoos wurde lange begünstigt, insbesondere zur Selbstdarstellung der Förderer.

Schon im 19. Jahrhundert kam jedoch auch die Idee der Nachempfindung natürlicher Landschaften des Herkunftslandes und dessen Architektur in Mode. Inzwischen gibt es die heutige „moderne Architektur". Trotz natürlicher Gestaltung der Außenanlagen hat sich in der „Architektursprache" der Gebäude kaum etwas geändert.

Die Form der Gebäude muß durch dessen Aufgabe bestimmt sein!

Nicht am Menschen sondern an der Natur muß sie sich orientieren!

Leider gibt es noch viele Beispiele, wo das noch nicht geschehen ist .... siehe Abb. (links ein Gebäude für Giraffen .... passend dazu ein Feuerwehrgerätehaus). Dagegen ein positives Beispiel Abb. Hütte bzw. Unterstand für Mufflons.

Hagenbeck war schon um 1900 auf dem richtigen Wege mit seiner Idee des „Panoramas". Er hatte heutigen Zooarchitekten Einiges voraus.

Architekten für Zoo-Bauten müssen total umdenken, quasi von vorne anfangen, die Natur studieren und entsprechend die Ideen umsetzen, - eine gewaltige Herausforderung.

Bisher gibt es leider wenige Versuche in dieser Richtung und kaum gelungene Beispiele (Siehe Abb. „Vorher", „Nachher"!).

Kaum ein Bereich der Architektur zeigt so wenig Fortschritt und Entwicklung wie der Zoo-Bau. Gebäude werden vielfach wie vor 30 Jahren konzipiert, trotz großzügigster Außenanlagen. Der Grund besteht darin, daß es unter den tausenden von Architekten nur wenige gibt, die jemals Gelegenheit bekamen und bekommen, Zoos zu bauen. Selten gibt es auch Wiederholungsplanungen, so daß wertvolle Erfahrungen wieder verloren gehen. Eine Entwicklungsmöglichkeit in gelungener Funktionsgestaltung zeigt die Abb. „Raubtierhaus".

Vor Realisierung eines Projekts im Zoo-Bau müßte jeweils ein Masterplan aufgestellt werden.

Wesentlicher Inhalt:

Wegeführung,

infrastrukturelle Maßnahmen,

wirtschaftliche Überlegungen, also der Kostenrahmen, aber auch z.B. hinsichtlich der Logistik, d.h. der Bewirtschaftung, der Ver- und Entsorgung,

die Personalstruktur und Entwicklung im Personalbereich,

die mögliche zeitliche und strukturelle Umsetzung,

die Vergrößerung des Zielpublikums,

die energiewirtschaftlichen ökologischen Untersuchungen, z.B. gerade eines der wichtigsten Elemente im Zoo wie „Wasser",

Sicherheitsfragen, d.h. für Personal Besucher und auch für die Tiere.

Alles in allem soll die Zooarchitektur dem Zoo-Besucher ein Abenteuer entwerfen, ihn die Natur erleben lassen, das Wildtier, - direkt und nahe - sehen, hören, riechen und empfinden - ohne störende Architektenträume!